Sprater 1938

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Sekundärliteratur
Autor Friedrich Sprater
Titel Erstmal vorgeschichtliche Eisenfunde: Bedeutender Fund aus der älteren Eisenzeit in der Pfalz - Neuerwerbung des Historischen Museums
Jahr 1938
In NSZ Rheinfront, Ausgabe 06.04.1938
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Abschrift

Von der Bauleitung der Reichsautobahn in Kaiserslautern erhielt das Historische Museum der Pfalz einen für die Vorgeschichte wichtigen Fund, der beim Bau der Strecke zwischen Kaiserslautern und Hettenleidelheim gemacht worden ist. Die Fundstelle liegt zwischen dem Forsthaus Schorlenberg und der höchsten Erhebung der dortigen Gegend "Hohe Bühl", bei Kilometer 77,1. In dieser Gegend verläuft, zum großen Teil heute mit der Autobahn zusammenfallend, die mittelalterliche Geleitstraße, von der in den Felsen gearbeitete Hohlwege, Fahrrinnen auf Felsflächen festgestellt werden konnten.
Die Autobahn wird auf dieser Teilstrecke von zwei Römerstraßen gekreuzt. Soweit sie in das Gelände der Autobahn gefallen snd, konnten sie nicht erhalten werden. das eine Stück liegt südlich des "Hohe Bühl" in der Abteilung Kochlöffel und gehört zu einer Straße, die wohl von Worms über Eisenberg und Enkenbach nach Kaiserslautern führte. Beide Stücke waren deutlich als Straßendämme, wie sie für die Zeit der Römerherrschaft bezeichnend sind, erkennbar.
Die Strecke zwischen der Straße Enkenbach - Frankenstein und "Hohe Bühl" hat im Gegensatz zu der westlich davon liegenden Strecke nur wenig Funde ergeben, so einige römische Gefäßstücke und Mühlsteinreste von der "Platte". Hier liegt auch noch neben der Autobahn ein kleiner Grabhügel. In dieser Gegend kam auch ein äußerlich unscheinbarer, jedoch wissenschaftlich sehr beachtenswerter Fund zu Tage.
In einer flachen Grube lag eine größere Anzahl von durch Menschenhand und durch Feuer absichtlich zerstörter Gegenstand aus Bronze und Eisen. Vor allem handelt es sich um zerstörte Waffen. Aus Bronze sind darunter vertreten die Reste von wenigstens acht Hohlbeinen(sic!), 2 Bruchstücke von Schwertklingen und 1 Lanzenspitze, aus Eisen 1 Lanzensptze, 1/2 Schwertklinge, 1 Tülle und mehrere Messer. Außerdem enthielt der Fund die Reste mehrerer Bronzegefäße. Diese waren absichtlich zusammengeschnitten, die einzelnen Teilstücke außerdem zum großen Teil zusammengerollt.
Es muss sich wenigstens um 2 Grfäße gehandelt haben, um eine Kanne und um eine Schüssel. Von der Kanne ist noch der eiserne Henkel, von der Schale sind noch ein Teil des Bronzehenkels und die zugehörigen Henkelhalter erhalten. Vielleicht waren es auch noch mehr Gefäße.
Nach der Aussage der Finder lagen die Bronze- und Eisengegenstände unmittelbar beisammen. Dies wird auch dadurch bezeugt, daß sich an einzelnen Bronzegegenständen Eisenrost angesetzt hat, während der Rost der Eisengegenstände vollständig von Bronzeoxyd durchsetzt ist.
Trotz ihrer weitgehenden Zerstörung erlauben die Funde eine genaue zeitliche Beurteilung. Sie gehören einer Zeit an, die unserm Gebiet zumeist der älteren Eisenzeit (Hallstattzeit), und zwar der sog. Gründlinger Stufe (um 800 v. Ch.) zugerechnet wird, man bezeichnet diesen Abschnitt öfters auch als jüngere Urnenfelderstufe. Die vorangehende ältere Urnenfelderstufe wird von den einen noch zur Bronzezeit, von anderen bereits zur Hallstattzeit gerechnet.
Wenngleich der Zeitabschnitt, aus dem unser Fund stammt, bereits der Hallstattzeit (ältere Eisenzeit) zugerechnet wird, so sind Eisenfunde aus dieser Zeit in Süddeutschland noch sehr selten. Ein vollständig erhaltenes Eisenschwert stammt aus der Oberpfalz. Wenngleich wir aus der Pfalz zahlreiche Grab- und Siedlungsfunde aus dieser Zeit kennen, so konnte noch niemals das Vorkommen von Eisen festgestellt werden. Aus Norddeutschland kennen wir aus dieser Zeit überhaupt noch keine Eisenfunde. Dort wird dieser Abschnitt daher auch noch zur Bronzezeit gerechnet und als Stufe V nach der Einteilung von Montelius bezeichnet. Der Boden des alten Deutschland hat aus dieser Zeit noch keinen Fund geliefert, der der eine so große Anzahl von Eisengegenständen enthielt. Reicher an Eisenfunden ist das deutsche Oesterreich, wo das Eisen früher wie bei uns auftritt.

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